Hard Disk und Flash

Traditionskonzern Western Digital spaltet sich auf

31.10.2023
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.
Auf Druck des aktivistischen Investors Elliott Management hat der oberste Führungskreis von Storage-Anbieter Western Digital entschieden, den Konzern aufzuspalten.
Will Western Digital in zwei Unternehmen aufspalten: CEO David Goeckeler.
Will Western Digital in zwei Unternehmen aufspalten: CEO David Goeckeler.
Foto: Western Digital

Das Unternehmen wird seine NAND-Flash-Speicher-Einheit vom Festplattengeschäft trennen. Bevor diese Entscheidung fiel, wollte das Unternehmen eigentlich mit dem Speicherchip- und SSD-Hersteller Kioxia fusionieren. Doch dieser Plan scheiterte. Stattdessen genehmigte der Verwaltungsrat nun einstimmig die Aufteilung der Geschäfte in zwei neue börsennotierte Unternehmen. Die Hoffnungen ruhen darauf, dass der aufgeteilte Konzern mehr Börsenwert auf die Waage bringen wird als das bisherige Firmenkonstrukt.

"Unsere HDD- und Flash-Geschäfte sind jeweils gut positioniert, um von der bedeutenden Marktdynamik der Datenspeicherindustrie zu profitieren", lässt sich CEO David Goeckeler in einer Erklärung zitieren. Als getrennte Unternehmen hätten beide den strategischen Fokus und die Ressourcen, um erfolgreich zu sein. Ohnehin habe Western Digital in den vergangenen Jahren durch die Einrichtung separater Geschäftsbereiche für Flash- und HDD-Produkte bereits den Grundstein für diese Maßnahme gelegt.

"Erheblicher Wert für Western-Digital-Aktionäre"

Die Zweiteilung werde "einen erheblichen Wert für die Aktionäre von Western Digital freisetzen", hofft Goeckeler. Die Anleger könnten "an den Vorteilen von zwei Branchenführern mit unterschiedlichen Wachstums- und Investitionsprofilen teilhaben". Die Spaltung soll in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2024 vollzogen werden.

Der Investor im Hintergrund hatte schon im vergangenen Jahr darauf gedrängt, den Konzern zu zerschlagen, nachdem Western Digitals Übernahme des Flash-Speicher-Produzenten SanDisk aus dem Jahr 2016 die Erwartungen nicht erfüllt hatte. Laut Elliott besteht Western Digital seitdem aus zwei völlig unterschiedlichen Unternehmen, es hätten sich kaum Synergien ergeben. Das habe dazu geführt, dass der Konzern unterdurchschnittlich performe - operativ, finanziell und strategisch. Eine vollständige Aufteilung sei der einzige Weg zum Erfolg.

Sie interessieren sich für Storage-Trends? Dann lesen Sie auch:

Bei Western Digital lässt man sich den Druck nicht anmerken. Man habe "eine umfassende Reihe von Alternativen geprüft" und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Ausgliederung des Flash-Geschäfts die "beste, durchführbare Alternative zum jetzigen Zeitpunkt" sei, um den vollen Wert des Unternehmens zu realisieren. Welche Alternativen sonst noch im Raum gestanden haben sollen, teilt der Konzern nicht mit.

SK Hynix hat Fusion von Western Digital und Kioxia verhindert

Seit Jahresbeginn stand Western Digital in Fusionsgesprächen mit dem japanischen Unternehmen Kioxia, ehemals Toshiba Memory. Berichten zufolge soll der Deal kurz vor dem Abschluss gestanden haben, als ein von Bain Capital geführtes Konsortium, das 56 Prozent der Kioxia-Anteile hält, doch noch einen Rückzieher machte. Offenbar hatte der südkoreanische Speicherchiphersteller SK Hynix, Mitglied des Konsortiums und selbst drittgrößter NAND-Flash-Speicherhersteller der Welt, sein Veto eingelegt.

Western Digital beendete die Fusionsgespräche, und SK Hynix konnte so erfolgreich verhindern, dass neben Samsung Electronics mit dem Duo Western Digital und Kioxia ein neues Schwergewicht in den Markt eintrat, das den südkoreanischen Anbieter wohl in den Schatten gestellt hätte.

Western Digital plant die Aufteilung des Konzerns vor dem Hintergrund schwacher Geschäftszahlen, die im Zuge der strategischen Neuausrichtung ebenfalls veröffentlicht wurden. In seinem ersten Finanzquartal des Geschäftsjahres 2024 (Ende: 29. September 2023) erreichte das Unternehmen einen gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent geschrumpften Umsatz von 2,75 Milliarden Dollar. Immerhin bedeutete das einen dreiprozentigen Anstieg gegenüber dem vorangegangen vierten Quartal 2023. Der Nettoverlust belief sich auf stolze 685 Millionen Dollar, im Vorjahr hatte noch ein kleiner Gewinn von 27 Millionen Dollar zu Buche gestanden.

Dennoch ist Goeckeler optimistisch: "Wir bewegen uns jetzt aus einem historischen zyklischen Abschwung im Speicherbereich heraus", sagte der CEO. "Im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2024 erwarten wir ein sich verbesserndes Marktumfeld in beiden Geschäftsbereichen und bleiben offen für weitere strategische Möglichkeiten, die zusätzliche Werte in unseren HDD- und Flash-Geschäften freisetzen könnten." (hv)