Energieeffizienzgesetz (EnEfG)

So will die Regierung Data-Center-Betreiber regulieren

20.06.2023
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.

Schmutziger Kohlestrom vermiest CO2-Bilanz

Um den ökologischen Footprint der deutschen Data Center war es zuletzt allerdings nicht gut bestellt. Das liegt aber nicht am Strom­verbrauch, sondern am zugrundeliegenden Energiemix, für den die Kohle immer noch eine wichtige Rolle spielt. Laut Bitkom sind in den Jahren 2012 bis 2020 die Treibhausgas-Emissionen deutscher Rechenzentren trotz des starken Zubaus von Kapazitäten nicht gestiegen. Lagen sie im Jahr 2012 noch bei 6,5 Millionen Tonnen CO2, so belief sich dieser Wert 2020 auf etwas weniger, nämlich 6,4 Millionen Tonnen. Doch wegen des gestiegenen Anteils von Kohle am deutschen Energiemix sind die CO2-Emissionen der RZs in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft auf 7,4 Millionen Tonnen im Jahr 2021 und auf 7,8 Millionen Tonnen in 2022 nach oben geschossen.

Die Pläne der Bundesregierung, wonach deutsche Rechenzentren ab 2027 zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben werden sollen, sind aus Sicht Rohleders illusorisch. "Bis dahin ist die Energiewende in Deutschland nicht umgesetzt und es ist schlicht nicht ausreichend Strom aus regenerativen Quellen verfügbar", sagt der IT-Lobbyist und klagt über sich verschlechternde Standortbedingungen. Andere europäische Länder würden deutlich geringere Stromkosten ermöglichen. Ende 2022 hätten Industriekunden in Deutschland mit einer Leistungs­aufnahme von fünf MW - und damit auch Rechenzentren dieser Größenordnung - durchschnittlich 24,6 Cent pro kWh zahlen müssen. In Frankreich habe ein vergleichbares Rechenzentrum lediglich 13,5 Cent veranschlagen müssen, 18 Cent in den Niederlanden oder 16 Cent in Schweden. Für das Jahr 2023 erwartet der Bitkom eine Mehrbelastung der deutschen Rechenzentren durch die gestiegenen Strompreise von etwa 1,8 Milliarden Euro.

Auch an dem Gebot, dass neue Data-Center-Anlagen ihre Abwärme sinnvoll einer weiteren Nutzung zuführen sollen, entzündet sich Kritik. "Was wir brauchen, ist ein realistischer Voraussetzungskatalog für Abwärme-Projekte, der standortspezifische Analysen zur Machbarkeit einbezieht", sagt Béla Waldhauser, Sprecher der vom eco - Verband der Internetwirtschaft gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen.

Energiebedarf von Rechenzentren in Deutschland.
Energiebedarf von Rechenzentren in Deutschland.
Foto: Borderstep

Die bisher realisierten Abwärme-Projekte in Deutschland liegen dem eco zufolge deutlich unter der Zehn-Prozent-Schwelle. Zudem blieben im jetzigen Entwurf des EnEfG saisonale Schwankungen zwischen Sommer- und Winterbedarf von Abwärme unberücksichtigt. Auch sei bislang ungeklärt, wie in Fällen zu verfahren ist, in denen weder ein Wärmenetz in räumlicher Nähe noch potenzielle kommunale Abnehmer vorhanden sind. "Wenn Rechenzentren nur noch in der Nähe von Abwärmeabnehmern gebaut werden dürften, ignoriert der Gesetz­geber weitere wichtige Standortfaktoren und schränkt digitale Infrastrukturen - die nun einmal das Fundament einer leistungsfähigen Digitalisierung bilden - unnötig, aber massiv ein", heißt es in einer Mitteilung des Verbands.

Aus Sicht der eco-Verantwortlichen ist der derzeit vorliegende Gesetzentwurf nicht tragbar. Er stelle eine existenzielle Bedrohung für den Neubau von Rechenzentren dar, und gefährde nicht nur den Rechenzentrumsstandort Deutschland, sondern auch die Grundlage für Digitale Souveränität, die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung sowie den Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur.

Auch die Bitkom-Verantwortlichen warnen vor einer strengen Regulierung, da in der Folge weniger Rechenzentren in Deutschland gebaut werden dürften. Auch hohe Strompreise und das begrenzt verfügbare Angebot regenerativ erzeugten Stroms könnten sich negativ auf den hiesigen Data-Center-Markt auswirken.

Der Energieverbrauch muss runter

An anderer Stelle sieht man weniger pessimistisch in die Zukunft. Das Umweltbundesamt, die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), Germanwatch e.V., das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, ÖkoInstitut e.V. und das Umweltinstitut München e.V. begrüßen den EnEfG-Entwurf. Schließlich gebe es keine Zweifel daran, dass zum Erreichen der Klimaschutzziele eine drastische Minderung des Endenergieverbrauchs notwendig sei.

Durch das Sichtbarmachen relevanter Informationen zur Energieeffizienz von Rechenzentren könne der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland und auch europaweit gesenkt und der Wettbewerb um energieeffiziente Dienstleistungen gestärkt werden, heißt es in einer Mitteilung der Befürworter. Die so geschaffene Transparenz biete Vorteile für RZ-Betreiber, Kunden, Kontrollbehörden und den Gesetz­geber. Zudem würden viele der Regelungen bereits durch die überarbeitete Europäische EED-Richtlinie (Energy Efficiency Directive) EU-weit vorgegeben und durch das EnEfG nur frühzeitig in deutsches Recht umgesetzt.