Sprechen wir über Geld

Wie Sie Ihr Gehalt verhandeln

04.06.2011
Von 
Karen Funk ist freie IT-Fachjournalistin und Autorin. Bis Mai 2024 war sie Redakteurin beim CIO-Magazin und der COMPUTERWOCHE (von Foundry/IDG). Zudem leitete sie 17 Jahre lang den renommierten IT-Wettbewerb CIO des Jahres. Funk setzt sich seit vielen Jahren für mehr Frauen in der IT und für digitale Bildung ein. 2024 erschien ihr Buch "Hack the world a better place: So gestalten Unternehmen die Zukunft", das sie mit Julia Freudenberg, Geschäftsführerin der Hacker School, zum Thema Corporate Volunteering geschrieben hat.

Zwischen "zu billig" und Chancen verbauen

Unsere Karriereexpertin Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult rät unserem Leser:

Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult kennt sich aus in Sachen Gehalt und Gehaltsverhandlung.
Birgit Zimmer-Wagner von Bewerber Consult kennt sich aus in Sachen Gehalt und Gehaltsverhandlung.
Foto: Birgit Zimmer-Wagner, BewerberConsult

Ihre Frage beschäftigt viele wechselwillige Bewerber. Einerseits will man sich nicht "zu billig" verkaufen, andererseits sollte man die Forderungen nicht übertreiben.

Sie haben sich mit Ihrer starren Vorgabe "habe mein derzeitiges Gehalt plus zehn Prozent angegeben" selbst in die Falle gelockt. Jeder Personaler möchte das Gefühl haben, dass er/sie auch zu entscheiden hat, daher bietet es sich grundsätzlich an, eine Spannweite an zu geben: etwa "mein zukünftiges Gehalt sollte sich zwischen XY und ZZ bewegen". Damit setzen Sie auch eine Untergrenze, nach der Sie ja auch gefragt wurden. Sie zeigen damit Verhandlungsbereitschaft und Offenheit.

Wenn bei Ihnen das Gehalt eine hohe Bedeutung hat, und so verstehe ich Ihre Frage, dann will jeder Entscheider wissen, "ob der auch sein Geld wert ist". Von daher sollten Sie erklären können, warum eine neue Firma für Sie ein hohes Gehalt zahlen soll. Finden Sie also konkrete Gründe für Ihre Forderung und zeigen Sie sich grundsätzlich kompromissbereit.

Gutes Geld für gute Arbeit?

Dazu mal ein aktuelles Beispiel aus unserer Praxis: Wir haben einen hoch spezialisierten Naturwissenschaftler mit Doppelqualifikation beraten, der an der Schnittstelle IT und Technik arbeitete und als nächsten Schritt in das Senior-Projekt-Management wechseln wollte. Nach initiativer Ansprache geeigneter Firmen hatte er ein Vorstellungsgespräch bei einem "hidden champion", einem Mittelständler, der in seinem Bereich Weltmarktführer ist. Die Personalverantwortliche war total begeistert von dem Profil und konnte es kaum erwarten, ihn einzuladen. Doch nach dem Gespräch war die Enttäuschung groß.

Der Grund: der Bewerber hatte starr an seiner Gehaltsvorstellung fest gehalten und das Unternehmen hatte eine Obergrenze. Beides passte nicht zusammen, und beide (!) haben keinen Kompromiss gefunden. Im Nachgang haben sich dann beide Parteien jedoch nicht an dem sachlichen Problem orientiert, sondern sich gegenseitig "Uneinsichtigkeit" vorgeworfen. "Wenn der in der Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern auch so starr und unnachgiebig reagiert, dann passt der hier nicht ins Team". Der Bewerber wiederum fühlte sich "unverstanden" und bemängelte, dass "die Personalerin meine Situation nicht richtig einschätzte. Ich will schließlich gutes Geld für meine Arbeit."